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Winterfütterung

Der Herbst/Winter hat Einzug gehalten und damit steht für viele Pferde die Umstellung der Haltung von der Weide auf die Stall-/Auslaufhaltung an


Dort, wo noch Weideflächen vorhanden sind, bietet der Aufwuchs überwiegend keine ausreichende Nährstoffgrundlage mehr. Jedes Jahr stellt sich für viele Pferdehalter aufs Neue die Frage, ob und wie die Fütterung diesen veränderten Bedingungen in der kalten Jahreszeit angepasst werden muss. Fakt ist, dass die unterschiedlichen Pferdegruppen, je nach Alter, Nutzung, Trainingsniveau und Rasse, einen unterschiedlichen Bedarf an Nährstoffen haben, der nun mit den eingelagerten Winterfuttermitteln gedeckt werden muss.

 

Wie ist die Raufutterqualität einzuschätzen?

Das Winterfutter setzt sich im Wesentlichen aus den im Sommer geernteten Raufuttermitteln sowie Kraft-/oder Ergänzungsfuttermitteln zusammen. Das Raufutter als Heu, Grassilage oder Heulage kann sehr unterschiedliche Nährstoffgehalte aufweisen. Dies hängt zum einen von der botanischen Zusammensetzung des Aufwuchses und zum anderen vom Schnittzeitpunkt ab. Hinsichtlich der botanischen Zusammensetzung kann man eine grobe Unterteilung in Gras-, Klee- und Luzernesilage vornehmen. Heu oder Grassilage können früh oder spät geschnitten sein. Der Schnittzeitpunkt, d. h. das Alter der Pflanzen, beeinflusst den Energie- und Nährstoffgehalt maßgeblich. Bei Pferdeheu bzw. Pferdegrassilage kommt überwiegend der erste Schnitt zum Einsatz. Der vom nachgewachsenen Aufwuchs angefertigte zweite Schnitt (sog. Grummet) kann für Pferde ebenso Verwendung finden, wenn der Aufwuchs genügend alt werden konnte, um ausreichend Struktur bilden zu können. Das heißt der zweite Aufwuchs sollte je nach Witterungsbedingungen mindestens sechs Wochen alt sein. Erst dann werden erforderliche Rohfasergehalte von mehr als 20 % erreicht. In anderen landwirtschaftlichen Tierhaltungen sind Rau- oder Grundfutteranalysen Basis für eine sinnvolle Rationsplanung.

In der Pferdehaltung werden dagegen wenig Futteranalysen durchgeführt und im Anschluss daran für Rationsberechnungen verwendet. Diese Vorgehensweise wäre allerdings sowohl im Hinblick auf eine ausgewogene Versorgung der Pferde als auch hinsichtlich der Futterkosten von großem Vorteil, da Grundfutteranalysen einen genauen Aufschluss über die Nährstoffgehalte des untersuchten Futters geben, die dann mit dem Ergänzungsfutter optimal abgestimmt werden können. Grundfutteranalysen können bei einer LUFA (Land wirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt) eines jeden Bundeslandes durchgeführt werden. Für Niedersachsen bei der LUFA Nord-West in Oldenburg (www.lufa-nord-west.de).

Der Anteil an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E) im Heu und in der Heulage nimmt mit zunehmender Lagerungsdauer ab. Eine angepasste Zufütterung eines vitaminierten Ergänzungsfutters/ Mineralfutters zusätzlich zu Heu bzw. Heu/Hafer ist über den Winter erforderlich. Darüber hinaus sollte jedem Pferd der Zugang zu einem weißen Salzleckstein (NaCl) möglich sein.

 

Verändert sich der Bedarf in der kalten Jahreszeit?

Grundsätzlich gilt, dass der Nährstoffbedarf eines Pferdes seinem Trainingsniveau angepasst sein muss. Je nach Haltungsform und Witterung kann bei anhaltend kalten Temperaturen der Grundumsatz eines Pferdes in Bezug auf den Wärmehaushalt ansteigen. Dies gilt insbesondere für Pferde in Außenhaltung oder in Offenställen. Bei Pferden, die freien Zugang zu Raufutter haben ist in solchen Phasen zu beobachten, dass sie deutlich mehr davon fressen. Ist dies nicht möglich, so kann der erhöhte Energiebedarf durch leicht höhere Kraftfuttermengen ausgeglichen werden (Energiebedarf kann auf bis zu 20 % steigen). Oft ist der Futterzustand der Pferde mit langem Winterhaar rein äußerlich schwer zu beurteilen. Die Überprüfung der Fettabdeckung der Rippen gibt deutliche Hinweise: Im Idealzustand müssen die Rippen eines Pferdes gut fühlbar sein.

Alte Pferde

Bei alten Pferden besteht durch die Zahnabnutzung häufig das Problem, dass insbesondere schwerverdauliches Futter nur unzureichend gekaut und vermahlen werden kann, wodurch die Nährstoffverdaulichkeit deutlich sinkt. Für Pferde, die Substanz abbauen, können höherverdauliche Futtermittel, wie früh geschnittenes Heu, eingeweichte Heucobs und Trockenschnitzel ebenso Verwendung finden, wie Futtermittel, die hochwertige Proteine enthalten (Zuchtfutter, Sojaschrot, Bierhefe) sowie Pflanzenöl. Das einzige Öl, das eine entzündungshemmende Wirkung aufweist, ist das Leinöl, das bei Pferden mit arthrotischen Veränderungen oder anderen entzündlichen Reaktionen einen positiven Effekt hat. Alle Öle enthalten ungesättigte Fettsäuren, die für ein glattes, glänzendes Fell sorgen. Hafer sollte für alte Pferde gequetscht sein oder als Flocken gegeben werden.

Weidegang bei Frost?

Pferde, die regelmäßig Weidegang genießen und daran gewöhnt sind, können problemlos gefrorenes Gras fressen. Pferde in überwiegender Stall- und Paddockhaltung und Zuchtpferde sollten hingegen keinen Zugang zu gefrorenem Gras bekommen, da unter Umständen Koliken ausgelöst werden können.

 

Quelle: Uelzener, Stallgeflüster Nr. 2 / 2012


26.04.2019

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